Leseprobe

(Ines und Gottfried Ehrsam sind über 70 Jahre verheiratet)

lnes: Dass wir uns dann wiedersahen, war von mir aus nicht, wie soll ich sagen, gewollt, aber ich war auf alle Fälle auch nicht ablehnend. Ich ging halt weiterhin an diese Ständeli.

Gottfried: Also ich hatte schon ein bisschen ein Auge auf lnes geworfen und schaute, dass ich sie nach Hause begleiten konnte.

lnes: Er hatte manchmal das Velo dabei, das stellte er im Vorgarten bei uns ab. Ich sagte dann zu meiner Marne: »Ich gehe noch ein wenig mit dem Herrn Ehrsam spazieren«, damit sie wusste, wo ich war.

Gottfried: Ja, das musste man natürlich in jener Zeit.

lnes: Ich merkte schon, dass er an mir interessiert war. Auf jeden Fall, das weiss ich noch genau, gingen wir dann zusammen in

den Vogelschutz, das war ein kleiner Wald bei St. Jakob, dort, wo jetzt das Stadion steht. Dorthin spazierten wir im Finsteren. Dort bist du mir schon ein bisschen näher gekommen. Also dort küsste er mich auch, das hatte er schnell mal im Griff. Das war etwa zwei Monate nach der Soiree. Und ich dachte, ja, diese Küsserei ist gar nicht so übel.

Gottfried: Das entwickelte sich so, man kam sich einfach näher.

Es ging nicht lange, bis ...

lnes: ... Entschuldigung, dass ich dreinschwatze. Du wolltest mich dann deinen Eltern vorstellen. Du holtest mich an einem Sonntagnachmittag zu Hause ab, und wir spazierten nach Birs­felden zu dir nach Hause. Ich sehe jetzt noch das Mutti am Fenster sitzen. Ich glaube, dein Vater war nicht dabei. Auf alle Fälle führtest du mich in die Stube und stelltest mich dem Mutti als Fräulein Wagner vor. Sie schaute mich an und fragte: »Gilt das ernst?« Das sagte sie so geradeheraus.

Gottfried: Und ich sagte Ja.

lnes: Ich sagte: »Ich weiss es noch nicht.« (Lacht.)

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