Leseprobe

(aus dem Vorwort) Ob wir wollen oder nicht: Wir hinterlassen immer Spuren. Wenn ich all das Gehörte und mir Zugetragene reflektiere, so kommt mir zu This Jenny das Bild eines Leuchtturms in den Sinn: Sein Licht ist Orientierung im Dunkeln, das uns sicher zum Hafen leitet oder uns davor bewahrt, an gefährlichen Klippen zu zerschellen. Ein Leuchtturm strahlt weit. Doch wirft Licht immer auch Schatten. Wie sagte This selbst: „Niemand ist so schlecht wie sein Ruf. Aber auch niemand so gut wie sein Nachruf.“ Typisch This.

 

This war ein Sonntagskind, und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Der 4. Mai 1952 – sein Geburtstag – war ein Sonntag. Ein von Frankreich herannahendes Tief verursachte an diesem Tag eine für das Glarnerland so typische Föhnlage. Während der angehende Erdenbürger sich im Gebärsaal des Spitals Glarus durch den Geburtskanal seiner Mutter auf die Welt zwängte, standen die Mannen – wohlverstanden damals nur die Männer – ein paar hundert Meter entfernt im Ring, stimmten über Sachgeschäfte ab und wählten politische Vertreter ihres Vertrauens. Es war ein Landsgemeinde-Sonntag. This wurde die Politik sozusagen in die Wiege gelegt.

This’ erste Lebensjahre liessen jedoch das Wort vom „Sonntagskind“ schnell zu Makulatur werden. Er wuchs in Sool auf, einem kleinen Ort auf einer Bergterrasse über dem Tal, in dem das Wasser der Linth zum Walensee drängt. Auch wenn es nur wenige Kilometer sind, gefühlt lag Sool damals, vor gut sechzig Jahren, etwa so weit weg vom Hauptort Glarus wie dieser von Zürich. Telefone waren noch nicht weit verbreitet, in den Dörfern gab es noch eine „Umesägeri“, die von Haustür zu Haustür ging und den Leuten Geburten und Tod von Mitbürgern verkündete. Das Klima war rau, die Sitten auch und das Leben für den kleinen This hart. Davon, und wie er sein Leben gemeistert hat, wird in den folgenden Geschichten berichtet.

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